Werden im Oberfeld aus Zeitdruck archäologische Kulturdenkmäler vernichtet?
In Ludwigshafen im Oberfeld finden umfangreiche Ausgrabungen statt, da sich die Annahme erhöhter Fundstätten von archäologischem Interesse in dem geplanten Ansiedlungsgebiet der Firma Vögele bestätigt hat.
Im Verlauf der Offenlegung behauptete die Stadt, dass in dem Gebiet nicht mit Funden zu rechnen sei, woraufhin die Generaldirektion Kulturelles Erbe in Speyer die Stadtverwaltung aufrief diese Aussage zu revidieren und richtig zu stellen, da sogar mit erhöhten Funden in dem Gebiet zu rechnen sei.
Eine Richtigstellung folgte jedoch nie, dreist wurde gar behauptet:”Hinweise von der zuständigen Behörde liegen nicht vor.” (FNP1999 Änderung Nr.15 “Im Oberfeld” Vom Stadtrat der Stadt Ludwigshafen am 16.06.2008 im Rahmen des Feststellungsbeschlusses beschlossene Fassung S.52 Stellungnahme der Verwaltung gegenüber den Bürgereinwänden wegen Verletzung des Schutzgutes kulturellen Erbes)

Im Laufe der Offenlegung, hat die Landesarchäologie über die Generaldirektion Kulturelles Erbe in Speyer der Stadtverwaltung Ludwigshafen die Kompromissbereitschaft auf großflächige Grabungen zu verzichten bekundet, vorausgesetzt die durch Prospektion erkannten Denkmäler können in genügend zeitlichem Abstand vor Beginn der Bauarbeiten archäologisch untersucht und die Funde geborgen werden.
Man teilte also unmissverständlich mit, dass man sich mit punktuellen Sondagen begnügen würde, aber diese eben zeitlich rechtzeitig vor Baubeginn durchführen können muss – genau da liegt der Knackpunkt.
In persönlichen Gesprächen mit den Ausgrabenden vor Ort wurde selbst am 03.09.2008 noch klar hervorgehoben, dass viele weitere Fundstellen mangels Zeit nicht bearbeitet werden können, weil der Bau massiv vorangetrieben werden soll und bereits Laster und Bagger rollen. Die unmittelbar Betroffenen drückten deutliches Bedauern aus.

Für die Mitglieder der BI fühlt sich das an, als hätte man sich mal wieder versprochen.
In einem Schreiben an Frau Dr. Lohse (OB) und an die Generaldirektion bitten wir diese um Unterstützung zur Einhaltung der Zusagen, so dass gewährleistet werden kann, dass das kulturelle Erbe auch wirklich gesichert werden kann.
Solche Untersuchungen sind nicht mit riesigen Baggerschaufeln möglich, die mit jeder Schaufel mindestens einen Kubikmeter Erde ausheben – im Allgemeinen finden solche Ausgrabungen mit Spateln und Feinwerkzeugen statt, um Schäden zu vermeiden und dauern entsprechend lange.

Auch wenn die Bebauung nicht verhindert werden kann, so sollte doch der Allgemeinheit kein weiterer Schaden zugefügt werden, indem man die öffentlichen Interessen gänzlich hinter wirtschaftliche Interessen stellt.
Schlimm genug, dass das zuerst gefundene Skelett entwendet wurde. Auch dass die Öffentlichkeit nicht weiter über Funde informiert wird, findet die BI mehr als schade, nicht oft können Menschen so nah an Ausgrabungen mit Funden teilhaben.

Die Funde sind laut vorsichtigen Aussagen auf etwa 700 vor Christus einzustufen und unzweifelhaft keltischen Ursprungs, das zweite Skelett (siehe Bilder) könnte sogar älter sein. Gerade aus der Keltenzeit gibt es wenige Informationen, so dass man froh ist über jede Art von Information, die man aus dieser Epoche sammeln kann – umso unverständlicher, dass dies hier nicht berücksichtigt werden soll.
Wenn eine keltische Kultstätte mit Opferstelle gefunden wird wie hier, kann man davon ausgehen, dass ein Dorf nicht weit entfernt war, nur wo und wie soll man das finden, wenn die Zeit drängt und einer professionellen Arbeit nicht den nötigen Raum bietet?
Aus diesem Grund haben wir uns entschlossen, hier ein paar Bilder zu veröffentlichen, die bisher der Öffentlichkeit nicht zugänglich gemacht wurden – auch die Presse blieb sehr zurückhaltend, warum wissen wir nicht.

